Tradition weiterbauen
JUNG im Denkmal
Die Revitalisierung denkmalgeschützter Gebäude erfordert Feingefühl und Präzision. Mit Projekten wie dem Thürwachterhaus in Ingolstadt, dem Vöhlinschloss in Frickenhausen und dem ehemaligen Amtsgericht in Furth im Wald zeigt JUNG, wie sich moderne Elektroausstattung respektvoll in historische Architektur einfügt. Ob spätmittelalterlicher Stadtbauernhof, barock überformtes Schloss oder historistischer Verwaltungsbau des 19. Jahrhunderts – überall entstehen aus der Verbindung von handwerklicher Tradition, zeitloser Gestaltung und innovativer Technik Räume, die Geschichte bewahren und Zukunft gestalten.
Der Umgang mit denkmalgeschützter Architektur ist immer auch eine Auseinandersetzung mit Zeit, Geschichte und Identität. Er verlangt Sensibilität im Detail, Respekt vor der gewachsenen Struktur und zugleich den Mut, historische Substanz in die Gegenwart zu überführen. Zwischen Erhalt und Erneuerung entsteht ein Spannungsfeld, das technisch, funktional und ästhetisch Raum für Neues eröffnet. In dieser Balance zwischen Bewahren und Weiterdenken zeigt sich, wie relevant gutes Design und präzise Gebäudetechnik auch im historischen Kontext sind.
Wenn Altbauten revitalisiert oder Denkmale umgenutzt werden, geht es längst nicht mehr nur um den Erhalt von Fassaden oder handwerklicher Details. Gefragt sind integrative Lösungen, die historische Qualität und zeitgemäßen Komfort vereinen – von Energieeffizienz und Barrierefreiheit bis zur subtilen Integration moderner Technik. Dabei müssen alle Eingriffe mit größter Zurückhaltung erfolgen. Die Technik soll nicht dominieren, sondern die architektonische Idee unterstützen.
„JUNG im Denkmal“ steht für eine Haltung, die historische Substanz nicht konserviert, sondern in einen lebendigen Dialog mit der Gegenwart bringt.
In direkter Nachbarschaft zum mittelalterlichen Taschenturm in Ingolstadt wurde von Büro Mühlbauer ein lange leerstehendes Denkmal-Ensemble mit Feingefühl und Substanzbewusstsein zu neuem Leben erweckt: Das Thürwachterhaus, ein ehemaliger Stadtbauernhof aus dem 16. Jahrhundert, ist ein mutiges und trotzdem sensibles Beispiel für modernes Wohnen in historischer Bausubstanz. Es zeichnet sich durch eine kompromisslose Materialehrlichkeit, handwerkliche Präzision und die sensible Verbindung von Alt und Neu aus. Die Gestaltung folgt einer reduzierten, fast asketischen Formensprache, die die historische Substanz respektiert und gleichzeitig eigenständige, räumliche Qualitäten schafft.
Aufgabe der Revitalisierung war es, die teils marode Bausubstanz mit den Anforderungen an modernen Wohnkomfort und Energieeffizienz in Einklang zu bringen. Der Hof, bestehend aus Wohnhaus, Stadel und Innenhof, wurde zwischen 2019 und 2024 umfassend saniert und umgebaut. Entstanden sind drei Wohnungen mit insgesamt 180 m² Wohnfläche im Wohnhaus sowie eine eigenständige, über drei Geschosse führende Wohnung mit 90 m² Fläche in der einstigen Scheune.
Ein besonderes Augenmerk galt der konstruktiven Ertüchtigung des ehemaligen Stadels, dessen Mauerwerk instabil geworden war. Um eine zeitgemäße Wohnnutzung zu ermöglichen, wurde zunächst eine Dämmebene ergänzt und anschließend eine neue, innere Betonschale eingefügt, so dass die annähernd 200 Jahren alten Mauern unangetastet blieben. Die Betonschale übernimmt nun zwei zentrale Funktionen: Sie dient als Tragstruktur und als gestaltgebendes Element im Innenraum.
Der Innenausbau folgt einer reduzierten Linie. Die Möblierung ist minimalistisch, fest eingebaut und auf das Nötigste beschränkt. Die Räume wirken ruhig, konzentriert und meditativ, getragen von der Haptik und Optik der eingesetzten Materialien: Sichtbeton mit sägerauer Bretterschalung, naturbelassenes Holz und Glasbausteine. Der Kontrast zwischen warmem Holz und kühlem Beton wird nicht gegeneinander ausgespielt, sondern als harmonisches Spannungsfeld inszeniert. Licht wird gezielt geführt und gebrochen – durch transluzente Flächen oder Schlitze im Beton. Technische Einbauten, wie die Elektroinstallation mit dem JUNG Programm LS 990 in Alpinweiß, sind präzise integriert, ohne die gestalterische Klarheit zu stören. Der schlichte Flächenschalter von JUNG wurde direkt auf dem Sichtbeton oder dem unbehandelten Holz installiert.
Die Architektursprache des Thürwächterhaus ist geprägt von radikaler Einfachheit und dem bewussten Verzicht auf dekorative Elemente. Sie folgt dem Konzept des Sichtbarmachens: Tragstrukturen, Oberflächen und Materialien dürfen ihre Geschichte und ihre Herstellungsweise zeigen. Der respektvolle Umgang mit der historischen Substanz ist dabei stets spürbar, sowohl im Erhalt originaler Bauteile als auch in der punktuellen Ergänzung durch neue, klar ablesbare Eingriffe.
Mitten im Herzen von Furth im Wald befindet sich das Alte Amtsgericht, ein markanter Walmdachbau aus den Jahren 1862/63, der nach Jahrzehnten des Leerstands zu einem lebendigen Zentrum für Kultur, Tourismus und Bildung wurde. Heute beherbergt das denkmalgeschützte Gebäude die Stadtbibliothek, die Touristeninformation, das Kulturamt und das sogenannte Drachenstichbüro, die organisatorische Zentrale des traditionsreichen Further Festspiels. Das aufwändig sanierte Gebäude wurde zu einem identitätsstarken Ort im Zentrum der Kleinstadt.
Die Sanierung durch PH2 Architektur + Stadtplanung basierte auf dem klaren Leitgedanken einer behutsamen Erneuerung bei größtmöglicher Erhaltung historischer Substanz. Türen, Fenster und Stuckdecken wurden restauriert, das Mauerwerk trockengelegt sowie Dach und Fassade denkmalgerecht instandgesetzt. Gleichzeitig erhielt das Gebäude eine moderne, barrierefreie Erschließung und eine zeitgemäße technische Ausstattung, vom Aufzug über die Elektroinstallation bis zur digitalen Bibliothekstechnik.
Im Mittelpunkt der Gestaltung steht das neue Farbkonzept. Die Planer/innen entwickelten auf Basis der NCS (Natural Colour System) Farbpalette eine fein abgestimmte Farbwelt, die natürliche Materialien wie Eiche und Putz mit Akzenten in Rot, Blau und Grün kombiniert. Die Töne greifen historische Bezüge auf und übersetzen sie in eine zeitgemäße, klare Farbsprache. Die JUNG Produkte ergänzen das Konzept mit den passenden Les Couleurs® Le Corbusier® Farbtönen und setzen es bis ins Detail fort. Zum Einsatz kamen Flächenschalter, Steckdosen, USB-Steckdosen und Anschlussdosen aus dem Programm LS 990 sowie F50 Taster. Verwendet wurden unter anderem die Farbtöne vert anglais clair (LC 32041) als ein heller, elegant zurückhaltender Grünton, vert anglais (LC 32040) als natürliches Grün, céruléen vif (LC 32031) und céruléen moyen (LC 32032) als klare, lebendige Blautöne, rouge vermillon 31 (LC 32090) als kraftvoller, leuchtender Rotton sowie l’ocre rouge moyen (LC 32111), ein warmer, erdiger Ockerton.
Die fein abgestuften Farbnuancen von Wänden und Ausstattung bilden ein harmonisches Spektrum, das den Räumen Tiefe und Lebendigkeit verleiht. Sie greifen die architektonische Vielfalt des historischen Bestands auf und schaffen einen sensiblen Dialog zwischen Alt und Neu. Die matten, farblackierten Oberflächen der JUNG Schalter und Taster fügen sich selbstverständlich in das Gesamtbild ein. Mal verschmelzen sie mit der Wandfarbe, mal setzen sie bewusste Akzente, die dem Raum Rhythmus und Struktur verleihen. Gleichzeitig sorgt die moderne und smarte Elektroinstallation auf Basis von KNX-Technologie für Komfort und Effizienz. Beleuchtung, Verschattung und weitere Funktionen lassen sich flexibel steuern und an die unterschiedlichen Nutzungen des Hauses anpassen.
Die Lesetreppe, das helle Lesecafé und die offenen Bibliotheksräume zeigen beispielhaft, wie sorgfältig komponierte Farb- und Materialwelten Atmosphäre schaffen. Es entsteht ein fröhlicher Ort, der Ruhe und Offenheit gleichermaßen ausstrahlt. Die JUNG Komponenten sind dabei nicht nur technische Ausstattung, sondern integraler Teil der Gestaltung. Sie machen spürbar, dass Design und Funktion hier eine Einheit bilden.
Gerade in einem historischen Bau mit heterogener Materialität beweist sich die Stärke dieser Farbkollektion: Sie schafft Zusammenhänge, wo Alt und Neu aufeinandertreffen, und unterstützt den Anspruch eines „Dritten Ortes“, an dem sich Menschen unterschiedlicher Generationen und Interessen begegnen. So steht das Alte Amtsgericht Furth im Wald für die gelungene Verbindung von Denkmalpflege, zeitgenössischem Design und funktionaler Präzision und zeigt, wie Farbe, Material und Technik gemeinsam eine neue architektonische Identität formen können.
Mitten im Unterallgäu erhebt sich in Frickenhausen das Vöhlinschloss, ein denkmalgeschütztes Bauwerk von nationaler Bedeutung, dessen Ursprünge bis ins Jahr 1492 zurückreichen. Der von der Handels- und Patrizierfamilie Vöhlin errichtete wehrhafte Bau mit seinen Rundtürmen, dem mächtigen Satteldach und dem barocken Rittersaal prägt bis heute das Ortsbild. Nach Jahrhunderten wechselvoller Nutzung als Adelssitz, Pfarrhaus und zuletzt privates Wohnhaus wurde das Denkmal von Kern Architekten in enger Abstimmung mit Fachhandwerkern umfassend instandgesetzt und für eine zukünftige Wohnnutzung ertüchtigt.
Das Sanierungskonzept setzte auf größtmögliche Substanzerhaltung, traditionelle Handwerkstechniken und den konsequenten Einsatz natürlicher, regionaler Materialien: Der Sand stammt aus Frickenhausen, der Kalk aus Altmannstein, das Fichtenholz aus dem Sachsenrieder Forst und die handgeschlagenen Ziegel aus Oberbayern. Neben der denkmalgerechten Instandsetzung war auch die behutsame Ergänzung zeitgemäßer Elemente entscheidend. Notwendige Ergänzungen wurden so ausgeführt, dass historische Spuren erlebbar bleiben und neue Eingriffe klar ablesbar sind. Diese entwickeln den Bestand weiter und überführen ihn in die heutige Zeit. So entstand ein Wohngebäude, das die Anforderungen der neuen Nutzung erfüllt, ohne seinen historischen Charakter zu verlieren. Im Erdgeschoss wurde zudem eine halböffentliche Zone geschaffen, die als kultureller Begegnungsraum im ländlichen Raum dient.
Bei der Auswahl der Ausstattung galt es, sich gestalterisch zurückzunehmen und zugleich höchste Qualität zu verwenden. Bei der Elektroausstattung fiel die Entscheidung auf das Schalterprogramm JUNG LS 990 in Alpinweiß. Mit seiner klaren Geometrie, der flachen Form und der neutralen Farbgebung fügt sich das Programm unaufdringlich in die historischen Räume ein. Es schafft eine dezente, aber präzise Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart – Technik, die sich harmonisch in den denkmalgeschützten Kontext integriert.
Durch den respektvollen Umgang mit der historischen Bausubstanz und den unterschiedlichen Zeitschichten, die das Gebäude über Jahrhunderte geprägt haben, wurde mit dem Vöhlinschloss ein Stück Baugeschichte erhalten und zugleich mit Leidenschaft und Sensibilität in die Gegenwart überführt. Für diese Leistung wurde das Projekt mit dem Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege 2023, dem Denkmalpreis 2024 und der Denkmalschutzmedaille 2025 ausgezeichnet.
Thürwachterhaus: © Architektur: Büro Mühlbauer, Foto: Ralph Feiner, Malans und Chur
Altes Amtsgericht: © Architektur: PH2 Planungsteam, Foto: Henrik Schipper
Vöhlinschloss: © Architektur: Kern Architekten, Foto: Nicolas Felder
Downloads
Ansprechpartner
Sie haben eine Presseanfrage? Bitte wenden Sie sich an:
E-Mail versenden